1149 Boston, Lucy Maria The Children of Green Knowe / Die Kinder von Green Knowe Illustrationen Peter Boston | Lucy M. Boston (geb. Wood), 19.12.1892 – 25.5.1990, war eine britische Schriftstellerin, die vor allem für Kinder, aber auch Erwachsene schrieb. Mit dem Schreiben begann sie erst nach ihrem 60. Lebensjahr. Sie wurde in eine Methodistenfamilie geboren mit strenger, religiöser Erziehung, von der sie sich als Erwachsene befreien konnte. Nach ihrem Schulabschluss besuchte sie ein Internat in Paris, danach begann sie ein Studium der Anglistik am Somerville College. Als 1914 der 1. Weltkrieg begann, unterbrach sie ihr Studium, weil sie als freiwillige Krankenschwester arbeiten wollte und machte dafür eine Ausbildung. Später heiratete sie und bekam einen Sohn, Peter, der ihre Bücher illustrierte. Neben ihrer schriftstellerischen Arbeit schuf sie über 20 Patchworkarbeiten, von denen es noch Fotos gibt, die ihre künstlerischen Fähigkeiten bezeugen.
Nach ihrer Scheidung zog Lucy M. Boston 1937 in ein Dorf in der Nähe von Cambridge, Hemmingford Grey. Sie kaufte dort ein Haus, das schon im Jahre 1130 gebaut worden war – zur Zeit der Normannen. Sie ließ das Haus renovieren und restaurieren, legte einen Garten an und wohnte dort bis zu ihrem Tod 1990. Das normannische Herrenhaus gilt als eines der ältesten auf den britischen Inseln. Zwei Bücher widmete sie ihm: „Memory in a house“ und „Perverse and Foolish“, zusammengefasst 1992 zu „Memories“. Sie sind eine Liebeserklärung an das Haus. Es war der Mittelpunkt und eine Inspirationsquelle für ihre Kreativität. Ihr Sohn lebte nach ihrem Tod mit seiner Frau in diesem Haus.
1. The Children of Green Knowe (1954) Deutsch: Die Kinder von Green Knowe
2. The Chimneys of Green Knowe (1958); U.S. title, Treasure of Green Knowe , Deutsch: Die Kamine von Green Knowe
Diese beiden ins Deutsche übersetzten Bände sind leider vergriffen und können nur antiquarisch erworben werden, allerdings zu hohen Preisen.
Nicht übersetzt:
3. The River at Green Knowe (1959)
4. A Stranger at Green Knowe (1961)
5. An Enemy at Green Knowe (1964)
6. The Stones of Green Knowe (1976)
Das Englisch ist nicht sehr schwer, aber gute Kenntnisse sind natürlich erfoderlich.
Das Haus ist nach dem Tod von Lucy M. Boston und ihres Sohnes weitestgehend im Originalzustand erhalten geblieben und heute auch ein Museum. Haus und Garten mit der Patchwork Kollektion können nach vorheriger Absprache lt. Internetangaben besichtigt werden:
https://www.greenknowe.co.uk/
Die Seite ist sehr schön gemacht und bietet viele Informationen für mögliche Besuche.
Oldknow ist ein sprechender Name: Altes Wissen bedeutet er im Deutschen. Und das ist Programm. Tolly, Abkürzung für den altmodischen Namen Toseland, ist sieben Jahre alt. Seine Mutter ist gestorben, sein Vater lebt mit seiner neuen Frau in Burma. Tolly wurde in einer so genannten Boarding-school untergebracht, eine Art Internat. Er ist nicht gern dort, aber er muss sich darein schicken. Nun hat ihm seine Urgroßmutter, Mrs. Oldknow, geschrieben und ihn eingeladen, die Weihnachtsferien bei ihr in dem alten Haus Green Knowe (grüner Hügel) zu verbringen. Manche nennen das Haus auch Green Noah, nach einer Figur, die aus einem Buchsbaum gestaltet wurde. Als Tolly ankommt, ist der nahegelegene Fluss über die Ufer getreten und das umliegende Land steht unter Wasser. Mr. Boggis, der Gärtner (aus einer langen Reihe gleichen Namens, alle aus einer Familie) holt ihn ab und bringt ihn nach Green Knowe. Die Urgroßmutter ist sehr freundlich und wird Tolly eine liebe Gefährtin. Langsam erfährt er die Geschichte des Hauses und wird heimisch. Er bleibt nicht lange allein, denn das Haus ist voller Geheimnisse und Menschen, die Tolly freundlich gesinnt sind, auch wenn Außenstehende sie nicht sehen können. Die Kinder Alexander, Linette und Toby werden Spielgefährten mit ihren besonderen Tieren wie z.B. dem Pferd Feste, das Tolly vor allem fasziniert. Doch da gibt es noch Green Noah, ein ungemütlicher Geselle, dann eine große Steinfigur, St. Christopher mit dem Jesuskind, und zwei sitzende steinerne Figuren, die Tolly die Queen und den King nennt, so wirken sie jedenfalls. Welche Abenteuer Tolly erlebt, das kann man in den verschiedenen Bänden der Reihe lesen (wobei er nicht bei allen dabei ist, allerdings bei den meisten). Der letzte Band „The Stones of Green Knowe” ist anders, denn er spielt hauptsächlich im 12. Jahrhundert (um 1120). Der Junge Roger d’ Aulneaux (ca. 10-12 Jahre) ist Sohn eines normannischen Siedlers, der statt des herkömmlichen Langhauses ein moderneres Steinhaus erbauen lässt. Roger lebt mit Vater, Mutter, Großmutter und Geschwistern relativ friedlich dort. Roger ist sehr stolz auf dieses Haus, als es fertig ist, und das erste Kind, das in Green Knowe lebt. Er fragt sich, was aus dem Gebäude im Laufe der Jahrhunderte wird – ob es bestehen bleibt oder zerstört wird. Eines Tages stößt er bei seinen Streifzügen auf zwei vergrabene Steine, die wie Throne wirken und an einen Mann und eine Frau erinnern. Er gräbt sie aus, bewundert sie und setzt sich auf einen davon – aber unwillkürlich sehr vorsichtig. Er hat nämlich gehört, dass es mit ihnen eine besondere Bewandtnis hat. Sie gehören einer vergangenen Zeit an, bevor die Normannen das Land besetzten. Roger denkt laut über das Haus nach und wünscht sich, in der Zeit mehr als 400 Jahre in die Zukunft gehen zu können, wenn auch nur für eine kurze Zeitspanne. Und nun beginnen seine Zeitreisen. Er begegnet Linnette, Alexander und Toby, dem Pferd Feste. Damit nicht genug: Weitere Kinder tauchen auf zu unterschiedlichen Zeiten, z.B. Susan und ihr kleiner Freund Jakob. Und noch etwas später lernt er Tolly kennen, dem er sich sehr verbunden fühlt. Die letzte Begegnung findet in den 1970er Jahren mit dem natürlich größer gewordenen Tolly statt, der immer noch mit seiner Urgroßmutter lebt. Roger kann beruhigt in sein Jahrhundert zurückkehren, denn das Haus hat alle Zeiten und Stürme überlebt. Zeitreisen – für die Kinder von Green Knowe kein Problem Ich habe nicht alle Bücher gelesen, mag aber die, die ich kennengelernt habe, sehr. Der zweite Band „Die Kamine von Green Knowe“ ist verfilmt worden unter dem Titel „From Time to Time“ (mit Maggie Smith als Urgroßmutter), allerdings an verschiedenen Stellen stark verändert und spannender bzw. konfliktreicher konzipiert. Er wurde Deutsch synchronisiert und ist als DVD erhältlich zu einem normalen Preis. Ich fand den letzten Band „The Stones of Green Knowe“ besonders beeindruckend, vor allem durch die Veränderung des Blickwinkels: Roger reist mehrfach in die Zukunft (einmal auch in die Vergangenheit), immer weiter von seinem Jahrhundert fort. Viele Veränderungen gefallen ihm nicht, doch er ist froh, dass das Haus Bestand hat. Diese Veränderung des Blickwinkels mochte ich sehr. Und überhaupt: Der Gedanke, dass die Menschen, die vor uns gelebt haben, nicht verloren und vergessen sind, hat mir sehr gefallen. Lucy M. Boston hat die Geschichten alle in ihrem Haus, das ebenso alt ist wie Green Knowe, geschrieben und sich vorgestellt, wer alles dort gelebt hat, welche Kinder und was sie erlebt haben können. Von allen weiß Mrs. Oldknow die Geschichte. Sie bewahrt ihr Andenken und begegnet ihnen ganz selbstverständlich. Denn in der Erinnerung leben sie weiter. Faber und Faber/Oldknew Books - 1954/2003 - Buch |