Buch-Welt-Musik
Medium Rezension
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Abrami, Esther
CD - Esther Abrami – Women
Irene Delgado-Jiménez
ORF Vienna Radio Symphony Orchestra
Esther Abrami; Kim Barbier, Klavier; Lavinia Mijer, Harfe; The Esther Abrami Quintett
Neugierig, kreativ, eigenwillig
Esther Abrami (geb. 16.10.1996 in Aix-en-Provence), französische Violinistin, Komponistin, Webvideoproduzentin, Klassik-Influencerin, mit klassischer Musikausbildung in Frankreich und Großbritannien. Sie arbeitet mit verschiedenen Orchestern zusammen wie dem English-Symphony Orchestra. Sie gilt als sehr kreativ und innovativ. 2021 veröffentlichte sie ihr Debüt-Album „Esther Abrami“ bei Sony Classical, dann folgte „Cinema“ 2023 und jetzt „Women“.
Mehrere Preise seit 2017, u.a. „Erster Preis beim Wettbewerb Golden Classical Music Awards International“ sowie weitere in 2019 und 2021. Sie nutzt Plattformen wie Tik Tok, You Tube und Instagram und setzt sich dabei sehr für Komponistinnen ein bzw. bricht gerne die oft als elitär empfundenen Strukturen der klassischen Musikszene.
2026 erhält sie den Opus Klassik in der Kategorie „Klassik ohne Grenzen“ für die CD „Women“.
Frauen und ihre Kompositionen
Die CD enthält 16 Stücke mit Werken ausschließlich von Komponistinnen: Vorab Ethel Smyth, Komponistin, Frauenrechtlerin, Schriftstellerin, mit dem kämpferischen Stück „March of the women“, weiter folgen u.a. Yoko Shimomura „Valse di fantastica, Miley Cyrus „Flowers“, Hildegard von Bingen mit „O virtus sapientiae“, Rachel Portman „Apple Tree“ u.a.m.
Besonders sticht hervor ihre Interpretation eines Violinkonzertes der irischen Komponistin Ina Boyle (1889-1967) „To the memory of my mother“. Diese hat ein umfangreiches Werk geschaffen, das aber – wie so viele Werke von Frauen – wenig Beachtung fand. Das ändert sich zwischenzeitlich. Ihre Musik steht in der romantischen-spätromantischen Tradition und verbindet sie mit ihrer Liebe zur irischen Natur und Literatur. Esther Abrami hat sich dieses Werkes angenommen.
Die Komponistin - das unbekannte Wesen
In ihrem Booklet schreibt Esther Abrami, dass sie während ihres gesamten Studiums ausschließlich Komponisten kennengelernt und einstudiert hat. Genau diese Erkenntnis findet sich auch in den Anmerkungen von Raphaela Gromes (Cello-Solistin, s. Rezensionen. dort) wieder. 15 Jahre – so schreibt Esther Abrami – hat sie klassische Musik studiert und in all der Zeit kein einziges Stück von einer Frau kennengelernt. „It wasn’t that I actively avoided them – I simply didn’t know they even existed. Nobody talked about them, nobody played their music, no one ever introduced me to their compositions.”
Schließlich entdeckt sie dann doch komponierende Frauen und die CD ist das Ergebnis.
Eingänge Interpretationen, besinnlich, heiter, schwungvoll
Kritik
Einerseits sind sich Hörer im Netz wohl einig, dass die Interpretationen sehr eingängig bzw. gut hörbar sind und heutigen Generationen den Einstieg in klassische Musik erleichtern. Das stimmt unbedingt. Es sind sehr schöne, melodiöse Stücke, rhythmisch schwungvoll, die eine positive Grundstimmung bewirken, auch bei den eher besinnlichen Werken.
Andererseits, so die Kritik von Fachmagazinen, wirken die Stücke glatt, modern und studio-produziert.
Im Grunde stimmt beides. So jedenfalls empfinde ich diese CD. Manchmal fühle ich mich an den Geiger David Garrett erinnert (besondere bei „Valse di fantastica“, ein Stück, bei dem es sich um Filmmusik handelt), der ebenfalls gerne die als zu eng empfundenen Grenzen zwischen E- und U-Musik sprengt.
Entdeckt habe ich die CD schon vor Monaten. Sie macht mir immer wieder Freude, ich höre sie gerne und mein Stimmungspegel ist jeweils erhöht. Gespielt ist das Ganze sowieso sehr gut – das gilt für alle Beteiligten. Gute Gründe also, sie hier und jetzt vorzustellen.
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